Weblog: Klaus Schlichter | Geschichten vom Typopunk, Layoutrocker und Designhippie

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Eine abgelegene Herberge in Frankreich, Jack the Ripper, ein Morgenrock mit wundersamen Kräften, eine Séance mit Nosferatu, dazwischen fünf Freunde, eine verheißungsvolle Internetbekanntschaft und schließlich das nahende Ende der Welt. Könnte eine spannende Geschichte sein: Sonnenfinsternis...

Ja, wohlgemerkt "könnte", denn die Spannung will beim Lesen nicht so recht aufkommen. Zumindest meinen Geschmack hat die Story eher nicht getroffen. Zwar kommen die genannten Elemente schon irgendwie/irgendwo vor, aber eben leider mehr in gesprochenen Nebensätzen oder in anderen Zusammenhängen als man vermuten würde. Aber ... Geschmackssache ... oder eben falsche Vorstellungen. Worum geht's denn nun eigentlich!?

Drei Männer und drei Frauen (fünf alte Freunde, alle so um die 30 Jahre alt, und die besagte Web-Freundin, 19) wollen im südfranzösischen Roussillon - hey, da war ich sogar schon mal - eine Sonnenfinsternis beobachten. Die Graphic Novel erzählt die Erlebnisse der Gruppe von der Anfahrt bis zum astronomischen Highlight. Insgesamt geht's also um fünf Tage. Von kuscheliger Freude bis keifender Aggression ist alles dabei :-) Es könnte (mehr oder weniger) ein Stück "normales Leben" sein - und das wollten die Autoren wohl auch darstellen. Vielleicht so ein "der Weg ist das Ziel"-Ding für die Macher... Etwas in dieser Art schwingt im Einleitungstext zum Comic mit: Stéphan Deteindre (genannt Fene) und Thierry Terrasson (Jim) kennen sich anfangs nicht wirklich. Es steht nur die grobe Idee im Raum "Sechs Freunde wollen eine Sonnenfinsternis beobachten", der Rest sollte sich selbst entwickeln. Immer dienstags wird dann am Comic gearbeiten, gemeinsam zeichnet und textet man, redet über Dies und Das, hört Musik, schaut zusammen Filme an, lernt sich kennen. Und nebenbei entwickelt sich die Comic-Geschichte. Oder läuft das andere nebenbei ab? Und schließlich ist's dann geschafft: Die Sonnenfinsternis ist da, die Geschichte zu Ende, das Buch fertig... Für die Autoren sicher eine nette Erfahrung :-)

Wie gesagt: Thematisch war das nun nicht so ganz mein Fall. Für mich ein Griff ins falsche Genre... Vor allem die spontan wechselnden Gefühlsausbrüche der Akteure haben mich reichlich irritiert. Und davon gibt's irgendwie viel zu viele... Eindrucksvoll sind jedoch die Zeichnungen von Fane (er "durfte" die schnellen Scribbles, die während der Entwicklungsphase entstanden sind, dann nochmal ins Reine zeichnen): Alles ist eher skizzenhaft gehalten. Teilweise mit groben Strichen werden Büsche aufs Papier gekritzelt, dann wieder mit feinen Linien ein Häusermeer konstruiert. Manchmal etwas mangaartig, an anderer Stelle nur schemenhaft. Also eigentlich ein wildes Durcheinander und bei Weitem nicht so exakt ausgearbeitet wie z.B. bei Kick-Ass, aber durch die "Ungenauigkeit" der Striche erfrischend lebendig und durchaus passend. "Koloriert" sind die Panels dann mit Markern in verschiedenen Graustufen. Die Zeichnungen helfen also etwas über die laue Geschichte hinweg. Aber ob das ausreichend ist!?

Das Buch selbst kommt sehr hochwertig daher: Hardcover-Einband, dazu nochmal ein Schutzumschlag mit Teillackierung. Die Innenseiten aus ungestrichenem Papier, einfarbig schwarz - natürlich mit Grauabstufungen - bedruckt. Die Seitenzahl geht stramm auf die 300 zu, also schon ein ganz schön wuchtiges Blattwerk :-)

So, und damit lass ich's dann auch erstmal gut sein mit meinem kleinen Ausflug in die Welt der Comic-Rezensionen. Falls mir ein Verlag allerdings irgendwelche spannenden Graphic Novels zum Lesen (und Besprechen) schicken möchte, darf er das gerne tun. Nur zu ;-)

07.04.2011 11:23 Uhr | Noch keine Kommentare | Buch, Comic, Rezension
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