
Ab auf die Piste. Abtanzen in der Münchner Clubbing-Szene. Party mit Osaka Best, dem wohl angesagtesten DJ der Stadt... Moment, Moment - keine Panik. Ich bin nicht plötzlich zum groovigen Discojünger mutiert. Das alles ist nur der Anfang eines fabulösen Comics: Hector Umbra!
Ein ganz schön mächtiger Wälzer: Hardcover-Umschlag (wieder mit einer schicken, partiellen Lackierung), die Handlung aufgeteilt in Vorspann und drei Bücher, einen Epilog gibt's auch und am Ende noch eine Bonus-Story - zusammen über 200 Seiten Comic... Wow.
Nach
Kick-Ass nun eine "Graphic Novel" aus Deutschland. Schauplatz der abgefahrenen Geschichte ist also München, Minga, die bayowarische Landeshauptstadt. Beeindruckend und mit wunderbar schrägem Strich in Szene gesetzt vom Comic-Autor und -Zeichner Uli Oesterle: Die Frauenkirche, der Englische Garten, der Stachus und noch viele Lokalitäten mehr. Vor allem eben "Lokalitäten": Bars, Clubs und Kneipen. Und "im hippsten Club der Stadt" beginnt dann auch die Geschichte: DJ Osaka verschwindet
plötzlich spurlos während seiner Platten-Auflege-Session. Auch die Wohnung des Discjockeys ist ausgeräumt und seine komplette Vinyl-Sammlung hat sich in Luft aufgelöst. Hector Umbra macht sich auf die Suche nach seinem abhanden gekommenen Kumpel. Was er bei seiner spannenden Schnitzeljagd durch die Isar-Metropole entdeckt ist ... der Wahnsinn. Man kann es wohl nicht anders sagen. Und das soll als kurze Beschreibung dann auch schon reichen. Gut, als Info nebenbei vielleicht noch: Hector Umbra ist kein Privatdetektiv und im Comic kommen auch keine Außerirdischen vor... Lederhosen und Dirndl aber auch nicht. Also nur falls jemand mit diesen Gedanken spielen sollte ;-) Dafür wird man aufs Umwerfendste mit dem bayrische Dialekt überrascht - sicherlich mit ein Highlight des ganzen Comics :-)
Der Zeichenstil ist wie gesagt irgendwie ... schräg. Im wahrsten Sinne des Wortes. Anfangs dachte ich: "Haben denn alle Münchner gebrochene Nasen!?" ;-) Aber nach ein paar Seiten erscheinen die krummen Linien gar nicht mehr so verbogen, weil einfach alles mit dieser lockeren Hand gezeichnet ist. Wirkt auch durchaus erfrischend und so manches Panel kann ich mir gut als PopArt-Poster vorstellen. Farben werden generell sehr flächig eingesetzt, was die plakative Wirkung noch unterstützt. Dabei kommen eher gedeckte Töne zum Einsatz. Hin und wieder aber dann doch auch knallige Farben, um bestimmte Bereiche zu betonen. Hat also alles einen gewissen "Design"-Aspekt :-) Durchaus schöne Farbkombinationen, die aber eben nicht zwingend den natürlichen Farben der Dinge entsprechen. Sehr ansprechend - und eben auch wieder so ein "Gestalter-Ding" - sind zudem die großzügig doppelseitig angelegten und in Schwarz gehaltenen Zwischentitel der einzelnen "Bücher" (Kapitel) sowie diese eine, einzige weiße Doppelseite :-)
[SPOILER] auf der Osaka verschwindet [/SPOILER]Über sechs Jahre hat der Comic-Autor Uli Oesterle wohl an "Hector Umbra" gearbeitet. Erstaunlich, dass er da durchweg den gleichen
Zeichenstil beibehalten konnte. Nach Buch 1 hat er sich wohl einen neuen
Stift zugelegt, fällt aber eigentlich nicht auf ;-)
Ach ja: Für die Innenseiten dieser Gesamtausgabe wurde ungestrichenes Papier verwendet, was durchaus positiv auffällt, weil beim Lesen weder die Nachttischlampe noch das Sonnenlicht darauf spiegelt und auf dem Papier keine Fingerabdrücke zu sehen sind - also bei sauberen Händen versteht sich :-)
Nach dem Comic sieht man einige Dinge sicher anders: Warum manche Menschen wirres Zeug vor sich herreden, warum DJs sich englische Namen zulegen und warum ich mir vielleicht ja ein Ziegenbärtchen wachsen lassen sollte... :-)